In der Regel bringen Fachzeitschriften keine Beiträge, die bereits in anderen Fachorganen veröffentlicht wurden. Anders bei Prof. Ekard Linds international vielbeachtetem Fachbeitrag: „Apportieren, freudig, schnell exakt". Dieser Fachbericht erschien das erstemal im Jahre 1995 in der Österreichischen Schäferhundefachzeitschrift SVÖ. Es folgten Editionen in der SC (Schweizer Schäferhundezeitschrift), in DER HUND, in der SV Nordrhein-Westfalen, SV Sachsen und in „Hundesport". Vor kurzem erschien eine neue Version in der Deutschen Schäferhundezeitschrift SV. Zur Zeit wir der Bericht in mehreren ausländischen Fachzeitschriften veröffentlicht.
© Ekard Lind Februar 2000
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Bringen in der PO
Und noch eine weitere, wenngleich traurig-problematische Tatsache unterstreicht die hervorragende Bedeutung der „Bringen's". Viele Sportler, die im Allgemeinen Zwangsmethoden ablehnen, machen beim Apportieren die einzige Ausnahmen. Angesichts dieses vielfältigen Angebotes von Möglichkeiten, die vom Starkzwang bis zum Spiel doch alles zu bieten scheinen, wundert es, daß Bringübungen trotzdem für zahlreiche Hundeführer ein Dauerproblem bedeuten. Die Ursachen hierfür sind vielfältig.
Manche Hundesportler setzen offensichtlich von vornherein auf eine Methode, die für ihren Hund ungeeigneten ist, andere verlieren vorzeitig die Geduld und wieder andere springen konzeptionslos von einer heilversprechenden Lösung zur anderen (ähnlich wie bei der Schutzarbeit). Bringen wir uns zunächst die Vorstellung der Idealen Ausführung in Erinnerung. Die Bringübung ist in allen drei Stufen SchH 1, 2 und 3 ebenso wie in der IPO wortgleich beschrieben. (Unterscheidungen werden nur in Bezug auf Wahl und Gewicht des Bringgegenstandes getroffen: SchH 1 = freie Wahl, SchH2 = 1 kg schweres Bringholz, SchH 3 = 2kg schweres Bringholz).
Auszug aus der IPO bzw. ÖPO:
Die schnelle Gangart des Hundes ist wie beim Pferd der Galopp. Da in der PO für das Zurückbringen des Gegenstandes dieselbe Wortkombination verwendet wurde, darf man davon ausgehen, daß der Hund im gleichen (oder mindestens annähernde gleichen) Tempo zurückkommt wie er weglief. Auf jeden Fall wäre ein Hunde, der im Galopp wegrennt und im Trab hereinkommt, schlechter zu bewerten als ein Hund, der in jede Richtung im Galopp läuft. Für die Gesamtbewertung sind neben Laufart und Tempo jedoch noch weitere Kriterien miteinzubeziehen: „Zeigt sich der Hund bei der Ausführung „freudig?" Und: „Bilden Hundeführer und Hund ein homogenes Team, gekennzeichnet durch gegenseitiges Einfühlungsvermögen, Konzentration und Engagement?" Erst wenn auch diese Qualitäten in hohem Maß erfüllt werden, sollte die Einstufung des Richters im Sinne zeitgemäßer sportlicher Zielvorstellung im „V-Bereich" erfolgen. (Für Nicht-Hundesportler: V = Vorzüglich: Punktebereich von 96 - 100 Punkten). Der Gesamteindruck sollte höher eingeschätzt werden als einzelne Details. Auch den Zuschauer ist der Gesamteindruck das Entscheidende. Aber worauf ist es zurückzuführen, daß gerade die Bringübungen beim Zuschauer einen oft zweifelhaften Eindruck hinterlassen? Liegt es an den vielen kleinen Fehlern wie „zu langsames Aufnehmen", „Schiefes Vorsitzen", „Knautschen" oder ein „mangelhafter Abschluß"? Was ist eigentlich der Kern der Übung?
Nun, das Problem ist bekannt: Der Hund läuft zunächst einmal lieber zum Holz als daß er zurückkommt. Warum sollte er auch gerne zurücklaufen, wo er beim Ankommen doch oft nur korrigiert wenn nicht gar bestraft wird? Viele versuchen daher, das Zurückkommen angenehm zu machen, indem sie vorübergehend mit dem Hund spielen. Und in der Tat, spielerisches Zurückbringen macht den Hund schneller. In vielen Fällen aber nicht schnell und vor allem nicht sicher genug. Immer wieder fallen auch spielgeübte Hunde beim Zurückkommen in den Trag, oder sie werden einige Meter vor dem Hundeführer deutlich langsamer. In diesem Phänomen sehen heute noch viele Ausbilder und Sportler die Begründung ihrer Behauptung „Mit Spiel läßt sich kein zuverlässiges Apportieren aufbauen". Läßt sich auch nicht, unter den beschriebenen Umständen. Daran ist aber nicht das Spiel schuld, sondern der widersprüchliche methodische Ansatz. Solange der Hund im Spiel, welches im „entspannten Feld" abläuft, immer noch Angst vor Schmerz und psychischem Druck hat, so lange wird der Hund sich im Spiel weder frei noch ganz entfalten können. Eine Ausbildung, die auf Meideverhalten aufbaut, wird durch „zusätzliche" Motivation nicht annähernd das leisten können, was eine auf Spiel und Freude, auf Vertrauen und auf positivem sozialen Erlebnis gründende Ausbildung ermöglicht. Ich konnte immer wieder beobachten, daß zwangsausgebildete Hunde beim sporadischen, ungeschickt eingebrachten Spiel nicht selten eher verunsichert wurden als daß das Spiel vorausgegangene Unlust aufgefangen hätte.
Zwang oder Motivation?
Zugegeben, immer, wenn etwas nicht gleich klappt, ist der Mensch versucht, Gewalt anzuwenden. Viele Hungesportler greifen in dieser Situation zur „Meidemethoden", das heißt, dem Hund wird vermittelt, daß er nur über die Ausführung eines vom Hundeführer erwünschten Verhaltens mehr oder minder schmerzhafter Einwirkung entgehen kann. Die Ausführung ist, verhaltensbiologisch gesprochen, auf dem Meideverhalten aufgebaut. Um zu den gewünschten Verhaltensweisen auf dem Niveau einer „Schnellen und sicheren Ausführung" zu gelangen, wurde seit Konrad Most, dem wohl bekanntesten Vertreter der Meidemethodik, der sogenannte Strakzwang herangezogen. Das sind Einwirkungen, die mittels Stachelhalsband oder durch schmerzhaftes Drehen an den Ohren oder mittels Eletroreizgeräten zugefügt werden. Die Einwirkung wird so lange aufrechterhalten, bis der Hund das gewünschte Verhalten zeigt. Genau in diesem Augenblick wird die Einwirkung eingestellt und der Hund wird mittels Futter oder Spielbeute bestätigt, je nach Typ auch gelobt und beruhigt. Daß auf diese Weise, bei entsprechender Konsequenz und Härte, ein schnelles Bringen möglich wird, steht außer Frage. Aber es muß auch erwähnt werden, daß mit zunächst einmal erfolgreichem Verlauf des Zwangsbringen längst nicht alle Probleme gelöst sind. Selbst wenn man die Prozedur einem anderen überträgt (und an fremdem Ort), ist das Bringen fortan mit einem unverkennbaren Vertrauensverlust verbunden, was sich auf die Arbeit als Ganzes auswirkt.
Es ist bekannt, daß Hunde dort, wo ursprünglich positiv besetzte Emotionen durch negative ersetzt werden, stärkste Konfliktreaktionen ausleben. Konflikte, die sich nicht selten als irreversibel herausstellen. Weil aber Meidemethodik immer mit zunehmendem Mißtrauen verbunden ist, kann der Hund auch die anderen Übungen, die er möglicherweise bis dahin freudig ausführte, oft nicht mehr in der nötigen Unbefangenheit absolvieren. Der Hund ist leider nicht in der Lage, den Konflikt emotional unterschiedlich besetzter Übungen auf Dauer schadlos zu kompensieren. Logisches Abwägen konträrer Gefühlslagen - einen „Kompromiß der Gefühle" - etwa im Sinnes eines Ausgleiches in der Mitte, gibt es nicht. Man muß sich darüber im Klaren sein, was man eingeht, wenn man sich für Starkzwang, auch bei „nur einer Übung", entscheidet. Der „Freudige Hund", der mit entspannten Lefzen, „lachendem Ausdruck" sowie „aufmerksamen Blick" zum Hundeführer hochsieht, ihm jede Regung seiner Physiognomie, ja sogar seinen Atem abnimmt, um ja nichts zu verpassen, diese Werte werden eingetauscht gegen ein durch und durch submissives (unterwürfiges) Verhalten, gekennzeichnet durch Angst vor Schmerz und unverstandener Demütigung. Wobei die Demütigung möglicherweise noch stärker wiegt als der Schmerz. Starkzwang ergibt für den Hund im Bereich sozialer Team-Arbeit, und das ist aus der Sicht des Hundes nun einmal Hundesport, - im Rahmen seiner genetisch verankerten, sozialen Rangordnungssymbolik einfach keinen Sinn und kann daher vom Hund in keiner positiven Motivation konvertiert werden. Der Hundeführer büßt kostbarste Werte der Gemeinschaft ein: Vertrauen und Autorität. (Manche mögen meinen, mit Autorität habe das nichts zu tun. Aber sie irren und sie mögen sich über die gültige Definition des Begriffes Autorität informieren.)
Es gibt triftige Gründe dafür, weshalb viele Autoren die Bildung des Vertrauens und der Autorität nicht nur in chronologischem Sinne vor jedwede Übetechnik stellen.
Doch die Vertreter der Zwangsmethoden haben noch mit weiteren Nachteilen zu kämpfen. Es ist bekannt, daß mit Starkzwang bearbeitete Hunde viel schneller verbraucht werden. Verbraucht werden im doppelten Sinn. Vitalität reduziert sich bei mangelndem Lustgefühl. Zwang aber bietet aber nicht nur zu wenig Lust, sondern vermittelt Unlust, den Gegenspieler. Das ist einer der Gründe, weshalb so viele Hunde im Alter von fünf bis sieben Jahren „ausrangiert" und durch jüngere ersetzt werden. Hunde, die bei positiver Motivation noch jahrelang ein erfülltes und erfolgreiches Dasein gehabt hätten. Ich bin sicher, daß allein schon aus diesem Grund der Motivationsmethodik die Zukunft gehört.
Aber neben den unumstößlich überzeugten Zwangsvertretern gibt es immer mehr Leute, die zwar Zwangsmethoden praktizieren, aber eigentlich, vom Herzen her, viel lieber spielerisch vorgehen würden. Wenn sie nur genau wüßten, daß man damit ebenso erfolgreich sein kann. Sie beschreiten dann letztlich doch den harten Weg in der Meinung, anders ließen sich „Spitzenleistungen" in gewünschter Schnelligkeit und Zuverlässigkeit nicht erreichen. Das „spielerische" Bringen haben sie schon dort und da gesehen, und es hat sie nicht voll überzeugt. Möglicherweise haben sie es auch selbst probiert - mit ähnlich unbefriedigendem Ergebnis. Daher rührt wohl das in „Fachkreisen" immer wieder zu vernehmende Statement: „Wenn du vorne mit dabei sein willst, dann geht das nicht spielerisch..., da mußt du schon andere Geschütze auffahren... usw." Dieser Fehleinschätzung, die auf lückenhaftem Wissen um Lernvorgänge und auf nicht genügend ausgereiften Spielmethoden basiert, entgegenzutreten, ist Ziel folgenden Aufsatzes. Motivationsmethodik ist der Meidemethodik in keiner Weise unterlegen. Dies sei mit allen Nachdruck gesagt! Das heißt zwar nicht, daß Einwirkung im Hundesport ganz und gar verzichtbar sei, aber es kommt darauf an, wie man ansetzt. Nützt man beispielsweise neuere Reizgerät-Methoden, die zwar zunächst, auf niederer Stufe, mit tatsächlich marginaler Schmerzvermittlung aufbauen, die aber dann, wenn der Hund eben nicht das macht, was man erwartet, doch wieder im Unlust- und Angstbereich enden, oder setzt man so lange wie irgend möglich, im Idealfall bis zur lustvollen und sicheren Ausführung, ausschließlich positive Motivation ein. Selbst wenn ein Sportler, der auf positive Motivation setzt, dort und da Fehler macht, und damit eine selbstverschuldete Korrektursituation verursacht hat, bleiben noch zahlreiche alternative methodische Varianten, um die Korrektur zu beheben. Er muß nicht zwingend zur schmerzhaften Einwirkung greifen. Aber es muß in diesem Zusammenhang auch gesagt werden, daß es im Korrektur-Spektrum individuelle Situationen gibt, wo kein anderes Mittel als Meidemotivation darüber hinweghelfen. In derartigen Fällen ist sorgfältig und gewissenhaft abzuwägen, ob etwa der massive Einsatz von Schmerz sich ethisch und aus der Sicht der Tierschutzes rechtfertigt. Ein absolutes Schmerzverbot scheint mir persönlich nicht nur naturwidrig und damit sinnwidrig, sondern auch unverantwortlich.
Ebenso unverantwortlich allerdings sind meiner Meinung nach Vorgangsweisen, mit Hilfe derer man auf kürzestem und einfachstem Wege Verhaltensweisen des Hundes zu manipulieren sucht und dabei von vornherein Meidemotivation einzusetzt. Unter diesen Umständen wird der Wert „Sportlicher Leistung" auf mehreren Ebenen in Frage gestellt. Daß innerhalb dieses Lust- und artwidrigen Ansatzes auch Spiel und Motivation eingesetzt wird, ist in keiner Weise entschuldigend. Ich verweise in diesem Zusammenhang auf das Phänomen der „Maskierten Aktion": Kurzgesagt verstehe ich darunter die irrige Meinung, der Hund würde sich im Spiel und ergo lustvoll befinden, wenn er innerhalb einer auf Zwang und Schmerz aufgebauten Ausbildung zwischendurch immer wieder kurz den Ball oder die Beißwurst bekommt. Einem fliehenden Objekt nachzujagen oder im Beutestreiten zu kontern, das sind Aktionen mit hohem Instinktanteil. Daß der Hund innerhalb einer reizausgelösten Instinkthandlung aktiv ist, bedeutet also noch langen nicht, daß er sich dabei wohl fühlt oder daß er, einfach ausgedrückt - s p i e l t. Spiel (so wie es die meisten Ethologen und Pädagogen verstehen) findet nur im sogenannte „Entspannten Feld" statt. Bei der geringsten „Störung", etwa bei aufkommender Gefahr, bei Schmerz, Angst, starker Frustration oder auch bei Hunger, ist das Spiel schlagartig zu Ende.
Viele Hundeführer aber vermitteln in der Ausbildung anhaltenden Stress (Dysstress = negativer, schädlicher Stress). Sie vermitteln Angst vor Schmerzen und das pädagogische Milieu wird geprägt vom stärksten Antagonisten des Spiels, von der U n l u s t! Was können wir aus dem bisher gesagten ableiten? - Wenn die Motivationsdidaktik (die heute unumstritten ist) für unzufriedenstellenden Erfolg etwa bei der Bringübung nicht verantwortlich ist, dann kann es nur noch an den Details der Methoden liegen. Für einen zuverlässigen pädagogischen Erfolg müßte das nötige Sachwissen bekannt sein und darüberhinaus die entsprechenden Fertigkeiten der praktische Umsetzung zur Verfügung stehen. Spielerisches Lernen bedarf fundierter Konzepte. Die Betonung liegt auf „fundiert". Spiel ist nicht gleich Spiel. Und spielerisches Lernen bedeutet etwas völlig anders als ziellose Spielerei. Es ist nicht damit getan, das „Balli" herumzuwerfen und wie wild herumzutanzen. Wenn wir im Hundesport von Spiel sprechen, so meinen wir vor allem zielgerichtetes Lern-Spiel und dieses läuft nach bestimmten Gesetzen ab. Ohne Berücksichtigung der übergreifenden Zusammenhänge wird der Hundeführer ein schlechter „Spielmacher" und seine Ausbildung aller Wahrscheinlichkeit nie über Dilettantismus hinauskommen. Oder er wird möglicherweise, ohne es zu merken, von seinem Hund, der sehr schnell lernt, wie ER zum Spielmacher avanciert, dominiert.
Lust auf den Apportiergegenstand
Zuerst Hereinkommen üben
Es gibt reflexgesteuerte und appetenzgesteuerte Verhaltensweisen (Appetenz: Das Tier sucht solche Reize auf, die eine Kette von Instinkthandlungen auslösen.) Das Nachjagen und Fassen der Beute zum Beispiel ist reflexgesteuert, was sich leicht am Verhalten eines Hundes, dessen Beutespielzeug aus dem Fang fiel oder dessen Herrchen etwa einen Ball hat zufällig fallen lassen, beobachten läßt. Einem wegspringendem Ball muß der Hund einfach nachjagen. Daher hat sich zur Triebförderung der Schleuderball ja so gut bewährt: er springt unberechenbar, was den Hund ähnlich wie in freier Wildbahn zu schnellen, eckigen Bewegungen herausfordert. Der Schleuderball verkörpert sozusagen einen ganz bestimmten Teil des Verhaltens einer Beute, nämlich das Hakenschlagen eines verfolgten Tieres. Auch hier wieder ein stilisierter Vorgang.
Fassen wir das bisher Gesagte zusammen, so ergibt sich bezüglich des Hörzeichens folgender Rückschluß: Wenngleich die Übung laut Prüfungsordnung mit dem Hörzeichen „Bring" einzuleiten ist, so macht es doch aus methodischer Sicht wenig Sinn, das kostbare Signal - in seiner Funktion als stellvertretender Reiz - für einen Vorgang zu verschwenden, der, wie wir gesehen haben, ohnehin weitgehend refelxgesteuert ist. Hinzukommt, daß ausgerechnet für das Zurückkommen als den problematischeren Teil kein stimulierendes Signal mehr zum Einsatz kommt.
Die hier beschriebene Bringmethode basiert daher auf einem anderen Ansatz. Sie baut auf der instrumentellen Konditionierung in kleinen, autonomen Lernschritten auf, wobei vor allem der zweite Teil der Übung durch gezielte Motivation und eigener, vom ersten Teil der Übung abweichender Inhaltlichkeit bereichert wird.
Die wichtigste Änderung besteht darin, daß der Apportiergegenstand in der Anfangsphase nie weggeworfen wird. Der Hund soll das Laufen zur Beute nicht mit dem Weglaufen vom Hundeführer, sondern mit dem Heranlaufen zu ihm verbinden. Er soll also folgendes lernen: „Beute ist bei Herrchen ... da muß ich schnell hinlaufen, sonst läuft er mir weg ... wenn ich dort bin, streiten wir um die Beute ... wenn ich richtig zubeiße und fest ziehe, gewinne ich das Spiel..." (im Sinne der Anschaulichkeit antropomorphe Beschreibung).
Und auch das Hörzeichen „Bring" verknüpft der Hund von Anfang an mit dem Herankommen und nicht mit dem Wegschicken. Die Übung wird je nach Veranlagung des Hundes in hoher bis höchster Trieblage ausgeführt und zwar jeweils nur so lange das Triebniveau nicht absinkt (reizspezifische Ermüdung!). Zwei oder drei Wiederholungen an den Trainingstagen reichen völlig aus.
Der erste Teil der Bringübung, das Wegschicken vom Hundeführer wird erst viel später eingebracht. Nämlich dann, wenn die Konditionierung voll gegriffen hat, das heißt, wenn der Hund das gewünschte Verhalten auf das Hörzeichen „Bring" als stellvertretenden Reiz sicher zeigt. In diesem Punkt muß man absolut konsequent sein. Die gesamte Übung kann mißlingen, wenn man „nur einmal zwischendurch" (aus Neugier oder Ungeduld) den Hund ab und zu zum weggeworfenen Bringsel schickt.
Wegen der unterschiedlichen Ausgangssituation (Erbanlagen, Alter, Reife, Trainingsmilieu usw.) ist es nicht möglich, einen bestimmten Zeitraum für die einzelnen Phasen anzugeben. Aber in der Regel dauert das Erlernen und Festigen einer Konditionierung erheblich länger, als viele Hundeführer annehmen. Eine „formatio reticularis" (unauslöschliche Erinnerung) bildet sich beim Menschen nach etwa sieben, beim Hund etwa nach zwanzig bis dreißig Wiederholungen. Bis zur Festigung muß man mit etwa sechzig bis siebzig Wiederholungen rechnen. Das wären bei täglichem, (kurzen) Üben etwa zwei Monate!
Hinzu kommt, der Hund lernt - vor allem in emotional positiver Stimmung - sehr schnell den „Vorgang als Ganzes" zu erfassen. Aber er verknüpft oft zunächst andere Inhalte als die, wir beabsichtigen und häufig auch in anderer Priorität. In diesem Zusammenhang wäre einiges über Motivation in Abhängigkeit der hundetypischen Exploration (Entdeckungsverhalten) zu sagen. Es darf einen also nicht beunruhigen, wenn eine Übung zwei oder drei Monate dauert. Wenn der Hund daraufhin bis an sein Lebensende beim Bringen freudig und schnell hereinkommt, war die Zeit doch gut investiert.
Parallel - Übungen
Übungsaufbau mit dem Junghund: Stimulieren, Auslösen, Beutestreiten
Phase 1
(Die Wichtigkeit optimaler äußerer und innerer Bedingungen für Hund und Hundeführer wird als allgemein bekannt vorausgesetzt. Anfangs sollte neben anderen Voraussetzungen an ruhigem Ort und ohne Ablenkung geübt werden!).
Kann der junge Hund noch weder abliegen und warten, so führt man die ersten Übungsphasen am besten mit einer Hilfsperson aus. Der Hund trägt ein Halsband und daran befestigt (nicht auf Zug) eine kurze Führerleine (etwa 1,20 m lang). Die Hilfsperson hält den Hund am Halsband, legt die Leine nach hinten auf den Boden und macht ihn auf Herrchen bzw. Frauchen aufmerksam. Herrchen tut sehr geheimnisvoll, nähert sich auf eine Distanz von etwa zehn bis fünfzehn Meter, zeigt das Bringsel (seitlich, nicht vor dem Körper halten, so kann der Hund die MO-Silhouette besser erkennen), macht es interessant und fängt damit an zu spielen und „anzugeben". (Vorbild ist auch hier wieder der Hund selbst: Imponiergehabe spielender Hunde).
Das Spiel wird so lange gesteigert und fortgesetzt, bis der Hund sichtbare Verhaltenssignale gesteigerter Aktionsbereitschaft zeigt: zielgerichtetes Ziehen und Rucken an der Leine, gespitzte Ohren, höchste Konzentration, Bellen usw. Die Motivation läßt sich noch steigern, indem das Bringholz (oder anderen Beuteersatz) mit einer etwa drei Meter langen Leine verbunden ist. So kann der Hundeführer das Bringholz mit dem Fuß nach links oder rechts stoßen, vorwerfen und kurz vor dem Hund zurückziehen und in allerlei abwechslungsreicher Art und Weise am Boden bewegen: einmal langsam, ein andermal schnell oder ruckartig. Motz hat schon vor fünfzehn Jahren seine Hunde auf diese Weise am Pflock angebunden und mittels der beschriebenen Stimulationstechnik eine sichtbare Steigerung erreicht, wobei er auch die Peitsche als akustische Stimulanz (nicht in bedrohendes oder gar Schmerz erzeugender Weise!) eingesetzt hatte.
Die Stimulationsform ist dem individuellen Hundetypus anzupassen. Auf das laut und deutlich ausgerufene Hörzeichen „Bring" läßt die Hilfsperson den Hund los. Der Hundeführer läuft einige Schritte davon (bei zügig herein galoppierendem Hund nicht erforderlich), bückt sich und gibt dem hereinkommenden Hund Gelegenheit zum Anbiß (Bringsel jedoch nicht entgegenstrecken! Welche „Beute „ bietet sich schon freiwillig als Opfer an? Die Beute „flieht" vielmehr und nur die fliehende Beute löst den besprochenen Reflex aus!).
Während der Hund hereingaloppiert, kann das Hörzeichen
Gezogen wird in weiten schlingernden Bewegungen, wobei der Hund möglichst mit allen vier Beinen auf dem Boden steht. Auf Hundeart dreht man sich immer wieder im Kreis und verbessert dabei die Position. „Rucken" und „Peitschenschlag" sind weitere Techniken aus der Welt der Hundespiele. Man achte darauf, tief zu spielen, so daß die Halswirbelsäule des Hundes nicht ständig im Nacken gestaucht wird, denn diese Haltung ist ebenso unnatürlich wie unangenehm. Die Spielintensität kann bei vielen Hunden durch den Einsatz der Stimme ganz erheblich gesteigert werden. Hier kommt es nicht auf die Wahl der Worte oder Laute an, sondern auf den phonetisch hervorgerufenen, emotionalen Effekt.
Bei ängstlichen Hunden ist anfangs in jeder Hinsicht Vorsicht und entsprechender Abstand geboten. Das MO an eine Zweimeterleine zu binden, wirkt bei derartigen Hunden oft Wunder.
Im Idealfall weist das „Beutestreiten" Phasen mit eher ruhigen Bewegungen und dann wieder Phasen mit schnellen, ruckartigen und zuckenden Bewegungen auf.
Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Je abwechslungsreicher um die Beute gestritten wird, desto mehr steigt das Antriebsniveau. Nach einiger Zeit täuscht dann der Hundeführer eine Schwäche vor (die der Hund natürlich gnadenlos ausnützt) und überläßt die Beute.
Streßfreies Abnehmen der Beute- Phase 2
In diesem Punkt der Übung werden die meisten Fehler gemacht. Man darf dem Hund die Beute nach dem „Beutestreiten" auf keinen Fall sofort wegnehmen! Und schon gar nicht in einer Form, die keinen Zweifel daran läßt, daß der Hund von vornherein unterlegen ist. Denn dann erlebt der Hund Folgendes: „Herrchen ist ja doch stärker." - „Ich bekomme die Beute nur gnadenhalber". - oder aber: „Wenn ich die Beute einmal hab´, - nix wie weg! Herrchen will sie mir wieder abnehmen".
Läuft der Hund mit der Beute vom Hundeführer weg (wie man es leider oft beobachten kann), so festigt sich ein Vorgang, der es in der Folge sehr schwer werden läßt, die Bringübung in eine sinnvolle Form umzuwandeln. Der Hund verselbständigt sich und wird immer mehr jene Phase des Spiels suchen, in welcher ER zum Spielmacher avanciert. Er wird also das Weglaufen mit der Beute anstreben, und das ist im Bereich der Unterordnungslernspiele ganz und gar nicht zielführend. Hier steht ja die Teamarbeit im Vordergrund und der Hund soll in jeder Lage freudig und schnell zum Hundeführer zurückkommen.
Hat der Hundeführer die Beute freigegeben, so läuft er mit dem Hund an der Leine ein paar Runden und lobt ihn. Wer nicht so geschickt ist, die kurze Leine aufzunehmen, der sollte eine acht Meter lange Aufrolleine verwenden. Wichtig ist, daß der Hund lange genug die Erfahrung macht: „Ich bin Sieger und mir gehört jetzt die Beute. Herrchen hat sich sichtbar geschlagen gegeben" (Siegergefühl). Man muß während des Laufens den Hund genau beobachten, um herauszufinden, wann dieses „Siegerhochgefühl" nachläßt. Diesen Zeitpunkt muß man abwarten, erst dann sollte man daran denken, das Bringsel abzunehmen. Bei vielen Hunden läßt sich das Abgeben am leichtesten unter Verwendung eines „Konkurrenz-MO" (Beutetausch) erreichen.
Zeigt also der Hund nach einiger Zeit (bei manchen Hunden kann das - vor allem bei den ersten Beutestreitspielen - lange dauern) ein Abflauen des Siegergefühls, ist der Zeitpunkt günstig, ihm die Beute abzunehmen. Wie das Bringsel abzunehmen ist, da scheiden sich die Geister. Die einen vermeiden in Rückbesinnung schlechter Erfahrungen jegliches „Aus" oder ersetzen es durch „Platz" oder „Sitz", andere wieder schwören auf ein früh erlerntes „Aus". Wogegen ich mich wehre, ist die Ausschließlichkeit, mit der unterschiedliche Ansichten vertreten werden. Viele Wege führen - mit unterschiedlicher Gewichtung einzelner Komponenten - zum Ziel. Es wäre daher sicher besser, anstatt die Methode des Kollegen oder Nachbarvereins abzuwerten und abzulehnen (und damit die eigenen Vorgangsweisen einzugrenzen), sich selbst und seinen Schülern die Vorteile aus möglichst vielen Variablen verfügbar zu halten. Hier in unserem Beispiel könnte das etwa so aussehen: Bietet es sich an, etwa bei kurzer Unaufmerksamkeit des Hundes oder bei Nachlassen des Griffes, würde man ihm naheliegender Weise die Beute aus dem Fang ziehen. Hält er aber fest und ist aufmerksam, dann würde man das Abgeben besser über eine der drei anderen „Aus-Methoden", die im folgenden beschrieben werden, einleiten.
Vier bekannte „Aus-Methoden"
1. Dr. Reisers Methode des „Aus durch anschließende Triebarbeit" (Reisers legendäres „Aus und Trieb"). Das nach dem „Aus" folgende Trieberlebnis ist stärker als die vorausgegangene Frustration. Bei dieser Methode müssen jedoch die anschließenden Triebreize unmittelbar nach dem „Aus" einsetzen (am besten innerhalb einer Sekunde) und ausreichend stark sein.
2. „Aus durch Ablenkung" nach Motz. Der Hund wird durch ein zweites Bringsel abgelenkt und laßt das erste entweder von sich aus fallen oder gibt es auf Kommando ab, um das neue zu erhalten.
3. „Aus durch Ruhe" nach Jaki Horst: Der Hund kommt nach vorausgegangener, (Individuell abgestimmter!) Triebförderung zur Ruhe, wird in der Ruhephase gelassen oder zusätzlich verbal und durch gezielte Berührungen bestätigt, bis er in der Entspannung von selbst oder auf Kommando die Beute abgibt. Jaki zufolge darf die Beute nach dem Abgeben nicht sofort oder schneller Bewegung vom Hundeführer aufgenommen werden. Das Lernen des „Aus in der Ruhe" ist nicht nur für die Bringübungen vorteilhaft, es ist nach Jaki eine wichtige Voraussetzung für ein streßfreies „Aus" im Schutz.
4. „Aus durch Überlisten". Der Hundeführer sucht einen Moment der Schwäche oder Unaufmerksamkeit, um in diesem Augenblick das Bringsel aus dem Fang zu ziehen. Das steigert natürlich Wachsamkeit und Motivation des Hundes. Der Nachteil ist nur, daß triebstarken Hunden nach kurzer Zeit ohne zusätzliche Einwirkungen wie Zwicken usw. das Bringsel kaum noch abgenommen werden kann.
Alle vier Methoden sind vielfach erfolgreich angewandt worden und eine einseitige Bevorzugung wäre ungerecht. Erstaunlich ist, daß mit völlig konträren Mitteln wie etwa bei Reisers und Jakis Methode (Aktivität und Ruhe) das gleiche (oder annähernd gleiche) Ziel erreicht werden kann. Allen Methoden ist jedoch gemeinsam, daß sie enorm viel Einfühlungsvermögen und Detailerfahrung voraussetzen. Von einem Könner vorgeführt, sieht alles ganz leicht und selbstverständlich aus. Die Nachahmung zu Hause endet dann nicht selten in Enttäuschung und leider wird dann oft die Schuld dem „unzureichend veranlagten" Hund zugeschoben oder auch dem „Spielen, das nichts taugt". In diesem Zusammenhang sei jedem Hundesportler, der weiterkommen möchte, angeraten, die Methode seiner Wahl vor erfahrenen Leuten richtig, das heißt Schritt für Schritt, zu erlernen.
Das reife Motivationsspiel Nicht in Kurzfassung
Alle vier „Aus-Methoden" können hier aus Platzmangel nicht beschrieben werden. (In meinem Buch „Spielen, aber richtig! Wurden noch weitere Aus-Methoden vorgestellt und deren praktische Ausführung genau beschrieben.) Wir beschränken uns daher, ohne damit jedoch eine Präjudizierung ausstellen zu wollen, die Vorgangsweise des „Aus und Trieb", indem wir sie auf die zu besprechende Bringübung übertragen:
Wir leiten das kommende „Aus" mit einer kurzen Phase der ruhigen Konzentration ein. Die Beute wird dann nicht mehr bewegt, der Hundeführer steht ruhig, aber aufmerksam gespannt. Damit vermittelt er: „Aufgepaßt! - Jetzt geschieht gleich etwas". Möglich, daß der Hund beim ersten Mal dieses Signal übersieht, bei Wiederholungen wird er jedoch darauf reagieren. Dann folgt ein kurzes, trockenes „Aus" (nicht schreien!); anschließend wird das Bringsel aus dem Fang genommen. Unmittelbar nach dem Abnehmen beginnt der Hundeführer mit viel Aktion, die „Beute" interessant zu machen (Mit Bewegung und Stimme wird das Bringsel vor dem Hund hin- und herbewegt, um die Beine geführt usw.). Der Hund soll hier in eine möglichst hohe Trieblage gebracht werden. Das so aktivierte Triebniveau läßt einerseits die vorausgegangene Frustration gering erscheinen und festigt andererseits die Verknüpfung: „Nach Aus kommt besonders intensives Beutestreiten und schließlich bekomme ich dann doch die Beute".
Hat der Hund bis hierher immer noch keinzuverlässiges
Auch die zweite Phase wird so lange beibehalten, bis der Vorgang gefestigt ist, - und ab und zu sollte man das Bringsel wieder direkt vor sich auf den Boden ablegen. Innerhalb der Phase 2 kann man dazu übergehen, das Bringsel zu wechseln, was uns später verschiedene Vorteile bringt.
Beherrscht der Hund schon das Abliegen (oder Absitzen), so kann dies genützt werden, um einen Triebstau zu erzeugen, nach dessen Auflösung der Hund oft noch schneller herangaloppiert.
Man sollte jedoch unbedingt vermeiden, beim Vermitteln des Liegenbleibens Druck einzusetzen. Unter Umständen würde auf diese Weise eine bis dahin lustvoll aufgebaute Methodik in Frage gestellt.
Variante: Ausführung in Verbindung mit vorausgehendem Abliegen (oder Absitzen). Der Hundeführer legt den Hund ab, entfernt sich rückwärts gehend mit vorsichtigen Schritten, den Hund nicht aus den Augen lassend, bleibt dann stehen, legt das Bringsel spannungsvoll (und langsam!) vor sich hin und gibt den Hund mit „Bring" frei. Der weitere Verlauf wird wie gehabt ausgeführt.
Phase 3:
Von mal zu mal wird das Bringsel weiter in Richtung Hund gelegt - zwischendurch jedoch immer wieder einmal dicht vor den Hundeführer ! Es sei nochmals daran erinnert: Das Bringsel darf auch in diesem Stadium der Entwicklung nie weggeworfen werden. Der Hund soll vorerst auf „Bring" ausschließlich hereinkommen und nicht weglaufen. Man wird erstaunt sein, wie schnell der Hund hereingaloppiert, selbst wenn das Bringsel dicht vor dem Hund und weit weg vom Hundeführer liegt, wo er es doch jetzt ohne Schwierigkeiten in Sicherheit bringen könnte. Hier trägt sich nun die zielgerichtet instrumentelle Konditionierung Früchte: Der Hund hat gelernt, auf das Hörzeichen „Bring" der Beute entgegenzulaufen, was sich durch die geschickte Anordnung der Übung äußerlich als Zurückkommen zum Hundeführer präsentiert.
Im Idealfall schließt sich nach dem Beutestreite in nahtlosem Übergang ein Bewegungsspiel an: Der Hund trägt die Beute, der Team-Führer zeigt seine Anerkennung für die erbrachte Tüchtigkeit, und muntert den Hund zu einem Laufspiel auf. Aber nicht derart, daß der Hund argwöhnen muß, man will ihm nachlaufen, um ihm die Beute abzunehmen. Der Team-Führer läuft also eher in die entgegengesetzte Richtung und muntert den Hund auf, mitzulaufen und nachzukommen. Auf diese Weise lenken wir den Hund auch vom Imponieren ab. Das Impnieren ist nämlich oft Ursache fürs Knautschen oder dafür, daß sich der Hund zum Spielführer machen möchte. Ablenkung durch Bewegung wirkt beidem dem entgegen. Das Tragen des Bringgegenstandes hat außerdem den Vorteil, daß der Hund lernt, das MO lange, fest und ruhig zu halten. (Im Laufen muß er es fester halten als im Stehen oder Vorsitzen! Und er hält es fest, weil er es einerseits nicht verlieren will und gleichzeitig durch das Laufen auf den Sozialpartner konzentriert ist).
Phase 4: Test; - Tragen und Langsamer werden
Phase 5: Langamer werden bis zum kurzen Stehenbleiben
Der Aufbau bleibt wie beschrieben erhalten. Der Team-Führer greift während des Mitlaufens ab und zu an das Bringholz, ohne es jedoch dem Hund zu nehmen. Auf diese Weise bereiten wir das spätere (streßfreie!) Abgeben vor. Indem wir langsamer werden, versuchen wir gleichzeitig, den Hund mittels Körpersprache auf uns zu konzentrieren, um ihn anschließend wieder zum Weiterlaufen zu bewegen. Dem gemeinsamen Laufen (mit Tempowechsel) folgt Stehenbleiben und kurzes Warten. Während der gesamten Zeit sollte der Hund das MO ruhig und fest tragen. Wo es angebracht ist, kann man mit einer Leine oder Aufrolleine laufen.
Phase 6:
Phase 7: Vom „Indirektem" zum „direkten"
Jetzt können wir dazu übergehen, uns nach dem seitlichen
Phase 8. Mittels
Phase 9. Warten vor dem Starten
Phase 10: Zusammenstellen der noch fehlenden Teile
Gegen Ende werden die fehlenden Einzelteile
Phase 11 Abwandlung und Absicherung
Nahezu alle Teile und Phasen des Apportierens bieten reichhaltige Möglichkeiten zur Abwandlung. Was man bei vielen Hunde schon ab Phase 3 einbringen kann, ist das variable Ablegen des Apportiergegenstandes. Haben wir es anfangs lange Zeit immer direkt vor den Team-Führer gelegt, so gehen wir mit zunehmender Sicherheit dazu über, die Lage des MO`s zu verändern: Einmal zwei Meter vor uns, dann drei Meter hinter uns (Hund durch die Beine laufen lassen), dann mitten zwischen Hund und Team-Führer, oder auch einmal einen Meter vor den Hund usw. Man wird erstaunt sein, daß der Hund binnen Kürze das MO von jedem beliebigen Ort aus schnell und freudig zum Team-Führer bringt. Auf zahlreichen Seminaren und Turnieren ist die Sicherheit meiner Hunde beim Apportieren selbst von Gegnern respektvoll anerkannt worden. Oft habe ich Quirin das Bring-Holz irgendwo wahllos hingeworfen, beispielsweise 15 Meter h i n t e r ihn. Versuchen Sie es einmal und testen Sie, ob der Hund noch liegen bleibt, wenn Sie das Bringholz hinter ihn außer halb seines Sehfeldes werfen und ob er es noch genauso sicher zurückbringt. Gratuliere, wenn Ihr Hund liegen bleibt und auf das Hörzeichen aufspringt, sich im Aufsprung in Richtung des Bringholzes dreht und hinrast, es dort schnell und sicher faßt, und damit auf kürzestem Weg zurückgaloppiert.
Quirin hat das Apportieren nicht nur ab und zu auf Turnieren, sondern Woche für Woche x-mal vor hunderten von Leuten in der gleichen, überzeugenden Vitalität und Freude gezeigt. Seit Jahren absolut zuverlässig. Ein einziges mal allerdings gab es Probleme. Auf einem WM Ausscheidungskampf in Judenburg rollte das Bringholz in den Schnee. Quirin mußte es längere Zeit suchen und als ich dann das Holz bei der Schrägwand so kurz warf, so daß es direkt am Brett lag, kam er seitlich vorbei. Promt wird dieses einmalige Mißgeschick von einem Sportkollegen im Internet verbreitet. Hoch lebe der Sportgeist und die Fairneß!
Zur Absicherung der Übung nützen wir an Stelle von Zwangs-Einwirkungen die in meinem soeben ertschienen Buch „Mensch-Hund-Harmonie" ausführlich beschriebenen Möglichkeiten: Steigerung der Motivation auf ein extrem hohes Niveau, Ausführung der Übung ohne jegliche Stimulation, Absetzen des Apportierens über einen längeren Zeitraum und dann die Übung ohne Vorbereitung prüfungsmäßig abrufen, Hinzufügen von Ablenkungen sowie Konfrontation mit Grenzsituationen. Kurz vor dem Werfen des Bring-Holzes etwa beleben wir das Holz, holen weit aus, täuschen das Wegwerfen vor und starten plötzlich mit dem Holz weg. Der Hund muß lernen, auch unter diesen Herausforderungen sitzen zu bleiben und zu lauern. Will er aufstehen, setzen wir den Geistigen Zügel ein.
Ablenkungen können eingebaut werden, indem man während des Apportierens andere Hunde (angeleint) auf den Hundeplatz führt. Möglicherweise sogar in der Nähe des Geschehens. Oder es gehen oder laufen mehrere Personen über den Platz. Oder es üben mehrere Hunde gleichzeitig andere Aufgaben. Es dürfte klar sein, daß derlei Ablenkungen nur von fortgeschrittenen Teams zu bewältigen sind und daß die gebotene Vorsicht einzuhalten ist.
Eine weitere, nicht leicht zu bewältigende Herausforderung ließe sich etwa durch das Ablegen des Bring-Gegenstandes auf einen Tisch oder durch Vergraben des Bringsels oder durch Ablegen mitten in einem Agility-Tunnell herstellen. Derartige Herausforderungen liebt der Hund. Sie dienen also nicht nur der Absicherung, sondern dem Aufrechterhalten der Appetenz. Sie sichern ab und wirken gleichzeitig der gefürchteten Motivations-Versandung entgegen. Und sie sind viel, viel natürlicher und wirksamer als so manches, was heute noch im Hundesport in Punkto Absicherung als unersetzlich angesehen wird. Sollte der eine oder andere Leser an dieser Stelle ernsthafte Zweifel an seinen Ausbildungsmaximen bekommen, so rate ich ihm, sich bei Ethologen und Biologen das nötige Rüstzeug anzueignen, um zu einer eigenen, gültigen Meinung vorzustoßen. Nicht alles, was die Mehrheit tut, rechtfertigt sich aus diesem Tatbestand. Es gibt genügend Beispiele in der Geschichte, daß die Mehrheit in die Irre ging. Und wenn man sich beispielsweise die Eßgewohnheiten des kontemporanen „Zivilisationsmenschen" vor Augen hält, so frägt man sich, wie sich derartig folgenschwere Irrtümer erhalten können.
Phase 12: Steigerung der Motivation im Herankommen
Eine zusäzliche Steigerung im Hinblick auf ein vital-schnelles Herankommen wird erzielt, indem wir außer dem Bring-Gegenstand noch ein zweites MO einsetzen. Zum Beispiel das Vorzugs-MO: Um der Gefahr entgegenzuwirken, daß der Hund den Bring-Gegenstand fallen läßt, wenn er das Vorzugs-MO sieht, müssen wir den Hund erst einmal mit der Situation des „Lauerns und gleichzeitigen Haltens" vertraut machen. Es ist schwierig, hier konkrete Vorschläge zu machen. Jeder Hund reagiert anders. Wichtig ist, daß man die Stimulation mit dem Vorzugs-MO anfangs nicht zu hoch ansetzt. Denn mit der Zunahme der Aktions-Bereitschaft erhöht sich natürlich auch die Gefahr, daß sich der Hund der „alten, leblosen" und uninteressant gewordenen Beute entledigen will, und diese fallen läßt. Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, den Hund im gemeinsamen Bewegungs-Spiel den Bring-Gegenstand tragen zu lassen, gleichzeitig wird das Vorzugs-Mo sichtbar an der MOT-Krawatte (Halsband, welches das MO an einer Klemme oder im Gummiring hält. 1994 vom Autor entwickelt. Inzwischen vielfach imitierter Hundesportartikel). Der Hund wird tragender Weise zum Sitzen stimuliert, und wir bücken uns zu ihm hinunter, so daß das Vorzugs-MO in seine Nähe kommt, gleichzeitig wird der Geistige Zügel gezeigt und Spannung aufgebaut. In dieser Kombination steht die gewohnte, erwartungsvolle Spannung im Vordergrund und der Hund läßt den Bring-Gegenstand in der Regel nicht fallen. Hat er einige Sekunden sitzend und lauernd das Bring-Holz gehalten, greifen wir mit einer Hand zum Holz, geben das Hörzeichen
Hat der Hund die Übung angenommen, so wird das Vorzugs-MO in den Übungsablauf des Apportierens eingebaut. Nach jahrelangen Tests mit dieser Methode wurde klar, daß es nicht ideal ist, wenn der Hund allein wegen des Vorzugs-MO`s herankommt. Die Übung sieht überzeugender aus, wenn der Hund etwa ein Verhältnis von 60% für das Vorzugs-MO und 40 % für den Bring-Gegenstand mitbringt (Appetenz-Hierarchie). Dieses Verhältnis läßt sich über die Gestaltung des Spiels steuern (und kann individuell ein wenig schwanken).
Was die praktische Ausführung der Appetenz-Hierarchie betrifft, so ist auf otimales Signal-Timing zu achten. Das heißt, der Hund sieht erst auf den letzten Metern des Herankommens (also im Bereich des Abstoppens), ob das Vorzugs-MO zum Einsatz kommt oder nicht. Wird dieser kleine, aber enorm wichtige Punkt vernachlässigt, fängt der Hund schon bei der zweiten oder dritten Wiederholung an, sich danach auszurichten, ob das Vorzugs-MO beim Herankommen zu sehen ist oder nicht. Wenn nicht, wird seine Aktions-Bereitschaft sichtbar reduziert.
Konnte das Apportieren bis hierher positiv vermittelt werden, dann kann man dem Team-Führer - und seinem Partner - gratulieren. Ein freudig, vital, schnelles und exaktes Apportieren ohne jeden Druck und Zwang umzusetzen, stellt eine pädagogisch hochstehenden Leistung dar. Jetzt gilt es nur noch, die Appetenz in der beschriebenen Hierarchie aufrechtzuerhalten und die Übung eher selten zu fordern. Einzelteile daraus ja, dann aber in Abwandlung (Üben im Wald, am Wasser, auf dem Berg, in einem Steinbruch; - Wechsel des Bring-Gegenstandes, Einbinden kleiner Hindernisse oder Geschicklichkeitsübungen usw.) Zwei Wochen vor einem Turnier wird das Apportieren wieder ganz von vorn in Phase 1 aufgebaut, natürlich im Zeitraffertempo. Auf diese Weise läßt sich die Qualität der Vorführung bis ins weit fortgeschrittene Alter des Hundes erhalten.
Parallelübung: Apportieren beim Spazierengehen.
Als Parallelübung, zum Beispiel als Steigerung der Primärmotivation kann man Spaziergänge dazu nützen, das Apportieren noch interessanter als auf dem Hundeplatz zu gestalten. Hierzu bietet sich vor allem abwechslungsreiches Gelände an. Anfangs sollte man jedoch ein anderes Apportier-MO verwenden als im Sport-Training: Einen Socken, ein (ungefährliches!) Holzstück oder etwas anderes. Der Aufbau ist ähnlich wie oben beschrieben: Nachdem man den Hund ins Platz geschickt hat, schleicht man sich von der Stelle weg. Im Gelände nützen wir jedoch die Möglichkeiten vor Ort, um das Spiel attraktiver zu gestalten. Ein Maisfeld bietet beispielsweise hervorragende Möglichkeiten, sich zu verstecken. Auf einem Waldweg lädt vielleicht einen Wegkrümmung oder ein Holzstoß dazu ein, sich außer Sicht zu bringen. Im Augenblick des Auslösens (
Problemhilfe bei aufbaugeschädigten Hunden:
Obwohl das Hinauslaufen in der Regel kein Problem darstellen dürfte, kommt es doch immer wieder vor, daß manche Hunde-Führer ihrem Hund das Apportieren durch allerlei Unangenehmes derart vermist haben, daß sich das Hinauslaufen in der Folge zögernd und unsicher gestaltet. Hier hilft oft nur ein völliger Neuaufbau in anderer Umgebung. Die soeben beschriebenen Apportier-Spiele in freier Natur haben sich auch zur Desensibilisierung apportiergeschädigter Hunde bewährt. Wir wählen eine möglichst abwechslungsreiche Umgebung, beispielsweise einen Waldweg. Auf dem Waldweg gehend, stimmen wir den Hund gut ein (anderes MO als im Training). Anschließend werfen wir das MO seitlich in den Wald oder ins Gebüsch. Das Suchen nach dem MO läßt den Hund vorausgegangene schlechte Erfahrungen vergessen. Er wird aufmerksam suchen. Der Team-Führer hilft ihm dabei durch aufmunterndes Zusprechen und wenn nötig, durch Zeigen. Beides trägt dazu bei, daß das angeschlagene Vertrauen wieder zunimmt und der Hund Freude am Team-work zeigt. Anschließend folgt Beutestreiten, Loslassen und Tragen. Zeigt der Hund nach einiger Zeit frei und unbefangen, so kann man dazu übergehen, sich in kleinen Schritten der Trainingssituation wieder zu nähern: Trainings-Bringgegenstand auf dem Spaziergang verwenden usw.
Problemhilfe gegen Fallen Lassen beim "Vorsitzen"
Problemhilfe gegen „Knautschen"
Gegen Knautschen gibt es fast so viele Ratschläge wie Hundeschulen: Auf die Nase oder von unten an den Unterkiefer klopfen. Andere raten zum seitlichen Klopfen an das Bringholz. wieder andere halten den gesamten Fang umfschlossen usw. usw. Leider versprechen alle diese Zwangseinwirkungen wenig Erfolg, wenn sie nicht gar den Fehler vertiefen. Der Grund hierfür liegt darin, daß man versäumt hat, nach den Ursachen des Knautschens zu fragen. Man ist bemüht, das Knautschen, wie viele (vielsagend!) sagen: „abzustellen", weil es Punkteabzug bringt, aber man bemüht sich einen Pfifferling darum, die dafür verantwortlichen Ursachen dingfest zu machen. Eine auf Punktemaßstäben basierende Korrektur ist jedoch nicht ausreichend, um tiefliegende psychische Störungen zu beheben oder Konflikte zu lösen.
Das Beste, was wir zu diesem Problem raten können, ist „Streß und Angst abbauen", „Selbstsicherheit zurückgeben" und methodisch gesehen: „Ablenken!" Ein Hund, der voll auf ein neues Lusterlebnis gespannt ist, knautscht nicht mehr, sondern hält den Fang ruhig. Ablenkungstechniken haben leider den Nachteil, daß viele Hunde sich wohl neu orientieren, sich aber vorher des leidigen Bringholzes entledigen, - durch Ausspucken, bzw. Fallen lassen. Aber das Tragen nach dem Herankommen läßt sich in der bereits beschriebenen Form konditionieren. Hat der Hund, frei von negativem Streß, tragen und ruhig halten gelernt (am besten im Laufen), so stehen die Chancen gut für das knautschfreie Vorsitzen: Im Ankommen (gegebenenfalls auch schon vorher) zeigen wir Futter oder eine Spielbeute.
Die Ablenkung wird jedoch sanft und weich vermittelt. Die Körper- und MO-Bewegungen dürfen keinen Auslösecharakter annehmen (Gefahr des Abrufens einer jagdlichen Instinkthandlung, was wahrscheinlich das Fallenlassen des Bringholzes zur Folge hätte). Im Näherkommen und Sitzen des Hundes fahren wir mit dem MO am Oberkörper entlang nach oben. Diese Bewegung ist von mal zu mal variabel abzuändern, so daß sie interessant bleibt. Der Hund verfolgt diese Bewegung und gerät dabei in eine neue, veränderte Stimmungslage. Mit dem Wechsel der Stimmungslage tritt in den meisten Fällen die vorher aufgetretene, negativ besetzte Befindlichkeit in den Hintergrund. Der Hund verfolgt das MO und hört infolge dessen auf zu Knautschen. Die unterbewußt wirksamen negativen Erfahrungen, die sich im Knautschen zeigten, wurden vorüberhend vom aktuellen Gegenwartsbewußtsein abgekoppelt.
Ausblick: